„Testsieger“, „Singles aus Deiner Nähe“, „Date in Berlin“„kostenlos anmelden“ – und schon bist Du mittendrin.
Online-Dating kann eine gute Möglichkeit sein, einen neuen Partner kennenzulernen. Auch und gerade ab 50.
Aber bevor Du Dich auf einer Plattform anmeldest, solltest Du eines wissen:
Nicht überall, wo Partnersuche draufsteht, geht es in erster Linie darum, dass zwei Menschen sich tatsächlich kennenlernen.
Hinter Datingportalen, Vergleichsseiten und Werbeanzeigen stehen zum Teil Geschäftsmodelle, die für Nutzer nur schwer zu durchschauen sind.
Da gibt es sogenannte Vergleichsportale, die angeblich die „besten Partnerbörsen“ getestet haben. Werbung auf Instagram oder Facebook, die Dir Singles genau aus Deiner Stadt verspricht. Portale, auf denen jede Nachricht Coins kostet. Und Seiten, auf denen sogenannte Moderatoren, Controller oder Animateure mit Nutzern schreiben.
Gerade Menschen, die nach vielen Jahren wieder auf Partnersuche gehen, rechnen mit solchen Geschäftsmodellen häufig überhaupt nicht.
Deshalb möchte ich Dir zeigen, worauf Du achten solltest.
Falle 1: Der angebliche Testsieger muss nicht der beste Anbieter für Dich sein
Vielleicht machst Du genau das, was eigentlich vernünftig erscheint:
Du suchst bei Google nach:
„Welche Partnerbörse ist seriös?“
„Welche Datingplattform ist die beste?“
„Partnerbörsen Testsieger“
Und schon erscheinen Seiten mit Rankings:
Platz 1, Testsieger, sehr gut, unsere Empfehlung.
Das sieht auf den ersten Blick nach einem unabhängigen Vergleich aus.
Aber genau hier lohnt sich ein zweiter Blick.
Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Vergleichsportale für Single- und Partnerbörsen nicht zwangsläufig unabhängig arbeiten. Häufig erhalten sie eine Provision, wenn ein Besucher über einen Link eine Mitgliedschaft bei einem Datinganbieter abschließt.
Das bedeutet:
Die Seite, die Dir eine Partnerbörse empfiehlt, kann gleichzeitig daran verdienen, dass Du Dich dort anmeldest.
Das allein macht eine Empfehlung noch nicht automatisch unseriös.
Aber Du solltest wissen, wer hier eigentlich wen empfiehlt – und warum.
Schau deshalb nach:
Wer betreibt die Vergleichsseite?
Wie wurde getestet?
Gibt es nachvollziehbare Testkriterien?
Werden auch Nachteile genannt?
Und steht irgendwo, dass die Seite bei einer Anmeldung oder einem Vertragsabschluss eine Provision erhält?
Ein großes „Testsieger“-Siegel allein ist für mich noch kein Qualitätsnachweis.
Falle 2: Die Dating-Werbung auf Instagram und Facebook

Vielleicht hast Du solche Anzeigen selbst schon gesehen:
„Singles über 50 in Berlin suchen einen Partner.“
„Frauen aus Deiner Umgebung möchten Dich kennenlernen.“
Oder:
„Männer aus Dresden warten auf Dich.“
Dazu ein sympathisches Foto und ein Button:
Jetzt kostenlos kennenlernen.
Das Problem ist nicht die Werbung an sich.
Das Problem ist: Als Nutzer kannst Du häufig nicht auf den ersten Blick erkennen, wer hinter dieser Anzeige steckt und wohin Du eigentlich weitergeleitet wirst.
Im Online-Marketing gibt es sogenannte Affiliate-Partner.
Diese werben für Produkte oder Dienstleistungen anderer Unternehmen und erhalten beispielsweise eine Vergütung, wenn über ihren Link eine Anmeldung oder ein Vertragsabschluss zustande kommt.
Auch das ist zunächst ein normales Geschäftsmodell im Internet.
Bei der Partnersuche wird es aber problematisch, wenn Werbung bei Dir den Eindruck erweckt:
Hier wartet tatsächlich ein bestimmter Single aus meiner Region auf mich.
Dabei besteht das eigentliche Ziel der Anzeige möglicherweise zunächst darin, Dich auf eine Datingseite zu bringen und eine Registrierung auszulösen.
Deshalb:
Nicht vom Foto direkt auf „Anmelden“ klicken.
Schau zuerst, auf welcher Internetseite Du gelandet bist.
Falle 3: „Kostenlos anmelden“ heißt noch lange nicht kostenlos kennenlernen
Die Anmeldung ist schnell erledigt.
Name, Alter, Wohnort, E-Mail-Adresse.
Und tatsächlich kostet die Registrierung vielleicht keinen Cent.
Dann kommen die ersten Nachrichten.
Jemand findet Dich sympathisch.
Jemand möchte Dich kennenlernen.
Du möchtest antworten.
Und jetzt stellst Du fest:
Um schreiben zu können, musst Du bezahlen.
Das kann über eine Premium-Mitgliedschaft geschehen.
Oder über sogenannte Coins, Credits oder Punkte.
Du kaufst also zunächst eine virtuelle Währung und bezahlst anschließend damit einzelne Nachrichten oder andere Funktionen.
Genau das kann die tatsächlichen Kosten schwerer durchschaubar machen.
Denn Du denkst irgendwann nicht mehr:
„Diese Nachricht kostet mich 1,80 Euro.“
Sondern:
„Diese Nachricht kostet 15 Coins.“
Und wenn sich ein interessanter Kontakt entwickelt, möchtest Du natürlich antworten.
Eine Nachricht.
Noch eine.
Und noch eine.
Aus einem scheinbar kleinen Betrag können so erhebliche Kosten entstehen.
Mein Rat:
Rechne Coins immer zurück in Euro.
Bevor Du das erste Paket kaufst, solltest Du wissen:
Was kostet mich eine Nachricht tatsächlich?
Was kosten 20 Nachrichten?
Was kosten 100 Nachrichten?
Und vor allem:
Kann ich mit diesem Menschen irgendwann außerhalb dieses kostenpflichtigen Chats Kontakt aufnehmen?
Falle 4: Bezahlte Chats können ein völlig anderes Ziel haben als Du
Du möchtest einen Partner kennenlernen.
Aber möchte die Plattform dasselbe?
Das ist eine Frage, die viel zu selten gestellt wird.
Denn bei einem klassischen Datingportal sollte das Ziel eigentlich sein:
Zwei Menschen finden sich, schreiben miteinander, telefonieren vielleicht und treffen sich schließlich.
Für eine Plattform, die an jeder einzelnen Nachricht verdient, entsteht jedoch ein anderes wirtschaftliches Interesse:
Je länger geschrieben wird, desto mehr Umsatz entsteht.
Das bedeutet nicht, dass jedes Portal mit einem Coin-System unseriös arbeitet.
Aber Du solltest das Geschäftsmodell verstehen.
Denn wenn Du wochenlang schreibst, immer wieder Coins kaufst und ein Treffen trotzdem nie zustande kommt, solltest Du aufmerksam werden.
Partnersuche darf Zeit brauchen.
Aber Partnersuche sollte sich irgendwann aus dem Chat herausbewegen.
Falle 5: Animateure, Moderatoren und Controller

Dieser Punkt überrascht viele Menschen besonders.
Auf manchen Dating- und Flirtportalen können sogenannte
Animateure, Moderatoren, Controller, Operatoren oder fiktive Profile
zum Einsatz kommen.
Das sind keine normalen Singles, die auf der Plattform einen Partner suchen.
Hinter solchen Profilen können Personen stehen, die professionell mit Nutzern schreiben.
Ein persönliches Treffen ist dann überhaupt nicht das Ziel.


Die Verbraucherzentrale weist ausdrücklich auf solche Modelle hin und nennt Begriffe wie „Animateure“, „Controller“, „Moderator“, „moderierter Dienst“ oder „CUser“ als Formulierungen, auf die Verbraucher achten sollten.
Das Entscheidende dabei:
Du kannst Dich emotional auf einen Menschen einlassen, der in dieser Form überhaupt nicht existiert oder gar kein persönliches Kennenlernen beabsichtigt.
Und gleichzeitig bezahlst Du möglicherweise für jede Nachricht.
Das ist etwas völlig anderes als das, was die meisten Menschen unter einer Partnerbörse verstehen.
Falle 6: Der entscheidende Hinweis steht irgendwo, wo kaum jemand hinschaut

Wer liest vor einer Anmeldung tatsächlich die kompletten Allgemeinen Geschäftsbedingungen?
Wahrscheinlich die wenigsten.
Und genau dort finden sich manchmal entscheidende Hinweise.
Zum Beispiel Begriffe wie:
moderierter Dienst
fiktive Profile
Animateure
Controller
Operatoren
oder Hinweise darauf, dass ein persönliches Treffen mit bestimmten Profilen nicht möglich ist.
Die Verbraucherzentrale weist allerdings darauf hin, dass ein versteckter Hinweis in den AGB nicht einfach genügt, wenn eine Plattform zuvor den Eindruck vermittelt, man könne dort reale Menschen kennenlernen.
Für Dich als Nutzer ist trotzdem wichtig:
Schau vor der Anmeldung ins Kleingedruckte.
Suche dort gezielt nach Begriffen wie:
„fiktiv“, „Moderator“, „Animateur“, „Controller“, „Entertainment“, „Unterhaltung“ oder „virtuelle Profile“.
Das dauert vielleicht fünf Minuten.
Diese fünf Minuten können Dir aber viel Geld und vor allem viel Enttäuschung ersparen.
Warum gerade Menschen ab 50 genauer hinschauen sollten
Viele Singles, mit denen ich arbeite, waren 10, 20 oder manchmal 30 Jahre nicht auf Partnersuche.
Als sie ihren früheren Partner kennengelernt haben, gab es keine Dating-Apps, keine Coins, keine Affiliate-Links und keine personalisierte Instagram-Werbung.
Sie gehen deshalb häufig mit einer ganz natürlichen Erwartung auf eine Datingseite:
Wenn hier ein Mensch mit mir schreibt, dann möchte dieser Mensch wahrscheinlich auch jemanden kennenlernen.
Leider kann man sich darauf nicht immer verlassen.
Und genau deshalb halte ich Aufklärung für so wichtig.
Nicht, damit Du Angst vor Online-Dating bekommst.
Sondern damit Du bewusster entscheidest, wem Du Deine Zeit, Deine Daten, Dein Geld und Deine Gefühle anvertraust.
Online-Dating kann trotzdem ein guter Weg sein
Ich möchte Online-Dating nicht schlechtreden.
Im Gegenteil.
Ich halte es auch ab 50 für einen möglichen Weg, neue Menschen kennenzulernen.
Aber nicht jede Plattform passt zu jedem Menschen.
Und nicht jedes Angebot, das Dir im Internet begegnet, ist automatisch eine gute Möglichkeit zur ernsthaften Partnersuche.
Deshalb beginnt Online-Dating für mich nicht mit:
„Welches Foto nehme ich für mein Profil?“
Sondern mit:
„Auf welcher Plattform melde ich mich überhaupt an?“
Wer betreibt sie?
Wie verdient sie ihr Geld?
Gibt es echte Möglichkeiten, sich kennenzulernen?
Wie transparent sind die Kosten?
Wer kann mir dort schreiben?
Und welches Ziel verfolgt die Plattform?
Erst danach würde ich mein Profil erstellen.
Partnersuche mit Plan statt einfach irgendwo anmelden
Wenn ich Menschen bei ihrer Partnersuche begleite, gehört deshalb auch die Auswahl der richtigen Wege dazu.
Online-Dating kann einer davon sein.
Gemeinsam schauen wir, welche Plattform zu Dir und Deinem Ziel passt, wie Du Dein Profil aufbaust und wie Du Kontakte von Anfang an bewusster einschätzt.
Denn es geht nicht darum, möglichst viele Nachrichten zu bekommen.
Es geht auch nicht darum, möglichst lange auf einer Datingplattform zu bleiben.
Es geht darum, einen Menschen kennenzulernen, mit dem ein echtes Treffen – und vielleicht irgendwann eine Partnerschaft – möglich ist.
Und genau das sollten wir bei aller Technik nie aus den Augen verlieren.
Mein YouTube-Video zu diesem Thema
In meinem Video „Die Fallen des Online-Datings“ zeige ich Dir diese Geschäftsmodelle noch einmal und erkläre, worauf ich persönlich achten würde, bevor ich mich auf einer Datingplattform registriere.
Möchtest Du Deine Partnersuche neu starten?
Wenn Du nicht weißt, welcher Weg heute zu Dir passt, können wir das gemeinsam herausfinden.
Ich gehe mit Dir auf die Suche – online, offline und im Alltag.

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