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    Dating-Algorithmen: Wer entscheidet eigentlich, wen Du beim Online-Dating kennenlernst?

    Du meldest Dich bei einer Datingplattform an, legst ein Profil an, gibst Dein Alter, Deinen Wohnort und Deine Wünsche an – und schon erscheinen die ersten Partnervorschläge.

    Vielleicht entsteht dabei ganz automatisch der Eindruck:

    Das sind die Menschen, die für mich infrage kommen.

    Aber so einfach ist es nicht.

    Denn was Du auf einer Datingplattform siehst, ist nicht automatisch der gesamte „Partnermarkt“. Zwischen Dir und den anderen Singles arbeitet häufig ein Algorithmus.

    Er kann mitentscheiden, welche Menschen Dir vorgeschlagen werden, in welcher Reihenfolge Du sie siehst und welche Profile besonders gut zu Dir passen sollen.

    Und je nach Datingplattform funktioniert diese Auswahl sehr unterschiedlich.

    Das zu wissen, finde ich gerade für Menschen wichtig, die nach einigen Wochen oder Monaten Online-Dating enttäuscht feststellen:

    „Hier ist einfach niemand für mich dabei.“

    Denn das bedeutet noch lange nicht:

    „Für mich gibt es niemanden.“

    Vereinfacht gesagt ist ein Algorithmus zunächst einmal ein Rechenverfahren.

    Dating-Plattformen versuchen damit, aus sehr vielen Mitgliedern diejenigen herauszufiltern oder zu priorisieren, die für einen bestimmten Nutzer interessant sein könnten.

    Dabei müssen wir zwei Dinge unterscheiden:

    Dazu können beispielsweise gehören:

    • Alter
    • Geschlecht
    • Wohnort und Entfernung
    • Kinderwunsch
    • Rauchen oder Nichtrauchen
    • Interessen
    • Bildung
    • Religion oder Lebensstil

    Welche Kriterien zur Verfügung stehen, unterscheidet sich je nach Plattform.

    Hier wird es interessanter.

    Denn innerhalb der grundsätzlich infrage kommenden Personen kann ein System wiederum entscheiden:

    Wen zeigen wir Dir zuerst?

    Wer könnte besonders gut zu Dir passen?

    Welche Profile sind wahrscheinlich für Dich interessant?

    Und dabei arbeiten die Anbieter mit sehr unterschiedlichen Informationen.

    Bei Parship beginnt das Matching mit einem umfangreichen Fragebogen.

    Aus den Antworten wird eine sogenannte Beziehungspersönlichkeit abgeleitet. Anschließend werden die Angaben verschiedener Mitglieder miteinander verglichen.

    Das Ergebnis sind die bekannten Parship-Matching-Punkte zwischen 60 und 140.

    Dabei geht es laut Parship nicht einfach darum, zwei möglichst gleiche Menschen zusammenzubringen. In die Berechnung fließen sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede ein.

    Wichtig ist jedoch:

    Ein hoher Matching-Wert bedeutet nicht automatisch: Das ist der richtige Partner für Dich.

    Der Wert besagt zunächst, dass zwei Menschen nach dem von Parship verwendeten Modell eine bestimmte rechnerische Passung aufweisen.

    Ob Ihr Euch sympathisch seid, ob Anziehung entsteht, ob Ihr Euch miteinander wohlfühlt und ob daraus tatsächlich eine gute Beziehung entstehen kann, entscheidet sich erst im wirklichen Kontakt.

    Parship: Was sind die Matching-Punkte?

    Auch ElitePartner verwendet einen Persönlichkeitstest als Grundlage für seine Partnervorschläge.

    Dabei werden nach Angaben des Anbieters unter anderem Lebensziele, Werte sowie Aspekte wie Nähe, Autonomie, Kommunikation und Konfliktverhalten berücksichtigt.

    Interessant ist dabei:

    Nicht bei jedem Merkmal sollen zwei Menschen möglichst ähnlich sein. In bestimmten Bereichen können sich unterschiedliche Eigenschaften nach dem Matching-Modell auch ergänzen.

    Auch hier gilt deshalb:

    Ein Matching-Wert ist keine mathematische Vorhersage für eine glückliche Beziehung.

    Er ist ein Instrument, mit dem eine Plattform versucht, aus vielen Mitgliedern möglicherweise passende Menschen herauszufiltern.

    ElitePartner: Das Matching-Prinzip

    Zweisam empfehle ich selbst häufig als eine mögliche Plattform für Singles ab 50.

    Zweisam verwendet jedoch einen eigenen Algorithmus für seine Empfehlungen. Nach Angaben des Anbieters können dabei sowohl persönliche Angaben wie Alter und Geschlecht als auch Standort und Aktivitäten auf der Plattform berücksichtigt werden. Der Algorithmus beeinflusst nicht nur, welche Profile Du vorgeschlagen bekommst, sondern auch, wem Dein eigenes Profil empfohlen wird.

    Interessant ist: Sind Deine Suchkriterien sehr eng und findet das System nicht genügend passende Mitglieder, kann Zweisam auch Menschen vorschlagen, die nur einen Teil Deiner Kriterien erfüllen. Wenn Dir immer wieder dieselben Profile begegnen, empfiehlt der Anbieter unter anderem, Suchkriterien oder Suchradius zu überprüfen.

    Das ist gerade für Singles ab 50 wichtig: Wenige passende Vorschläge bedeuten nicht automatisch, dass es keine interessanten Menschen gibt. Manchmal ist auch der eingestellte Suchraum einfach zu klein.

    Zweisam: So funktionieren Empfehlungen und Profiling

    Bei Tinder funktioniert die Auswahl wieder anders.

    Hier gibt es nicht zunächst einen umfangreichen Persönlichkeitstest wie bei klassischen Online-Partnervermittlungen.

    Tinder erklärt, dass unter anderem Standort, Alter, Interessen und die Aktivität auf der Plattform eine Rolle bei Empfehlungen spielen können.

    Besonders interessant:

    Auch Dein Verhalten innerhalb der App liefert Informationen.

    Welche Menschen interessieren Dich?

    Welche Profile gefallen Dir?

    Welche überspringst Du?

    Aus solchen Signalen können Datingplattformen Rückschlüsse darauf ziehen, welche anderen Profile für Dich interessant sein könnten.

    Das bedeutet:

    Du sagst dem System nicht nur durch Dein Profil, was Du möchtest. Du zeigst es teilweise auch durch Dein Verhalten.

    Tinder: So funktioniert das Matching

    Auch Bumble beschreibt, dass verschiedene Informationen für Empfehlungen genutzt werden.

    Dazu gehören beispielsweise Profilinformationen, Standort, Interessen, Aktivität und Interaktionen innerhalb der Plattform.

    Bei bestimmten Empfehlungsfunktionen können auch bisherige Matches und Interessen eine Rolle spielen.

    Damit entsteht ein Prinzip, das wir von vielen digitalen Plattformen kennen:

    Das System versucht aus Deinem bisherigen Verhalten vorherzusagen, was Dich zukünftig interessieren könnte.

    Bumble: Datenschutzerklärung und Matching

    Besonders interessant finde ich die Erklärung von Hinge.

    Hinge beschreibt ausdrücklich, dass für Empfehlungen nicht nur Angaben wie Alter, Geschlecht, Standort, Präferenzen und Dealbreaker verwendet werden.

    Auch das Verhalten innerhalb der App kann berücksichtigt werden:

    Wen likest Du?

    Wen überspringst Du?

    Mit wem matchst Du?

    Mit wem entsteht anschließend tatsächlich Kontakt?

    Das zeigt ein grundsätzliches Problem – aber auch eine interessante Wahrheit über Partnersuche:

    Was wir sagen, dass wir suchen, und worauf wir tatsächlich reagieren, muss nicht immer dasselbe sein.

    Jemand kann beispielsweise sagen:

    „Das Aussehen ist für mich gar nicht so wichtig.“

    Wenn diese Person aber immer wieder ausschließlich einen bestimmten optischen Typ auswählt, entsteht für einen Algorithmus ein anderes Bild.

    Hinge: Automatisierte Entscheidungsfindung und Profilanalyse

    Das ist eine besonders spannende Frage.

    Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg beschreibt, dass bei Datingplattformen auch sogenannte Attraktivitäts- beziehungsweise Elo-Scores eingesetzt wurden bzw. werden können.

    Vereinfacht ausgedrückt können dabei Reaktionen anderer Nutzer Einfluss darauf haben, wie ein Profil innerhalb eines Systems eingeordnet wird.

    Allerdings müssen wir hier vorsichtig sein.

    Die Unternehmen legen ihre Algorithmen nicht vollständig offen. Wir können deshalb nicht pauschal behaupten:

    „Jede Dating-App gibt Dir heimlich eine Attraktivitätsnote.“

    Tinder beispielsweise hat erklärt, den früher verwendeten Elo-Score nicht mehr einzusetzen.

    Wir wissen also einiges darüber, welche Daten Datingplattformen verwenden können.

    Wir wissen aber nicht vollständig, wie die einzelnen Faktoren gewichtet werden.

    Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: Algorithmen als Matchmaker

    Partnersuche durch gutes Foto

    Nehmen wir ein Beispiel.

    Eine Frau ist 62 Jahre alt.

    Sie sucht einen Mann zwischen 58 und 67 Jahren und stellt einen Suchradius von 30 Kilometern ein.

    Damit hat sie bereits einen Teil der Mitglieder ausgeschlossen.

    Innerhalb der verbleibenden Gruppe können weitere Kriterien und die Empfehlungslogik der Plattform wirken.

    Vielleicht bevorzugt sie beim Anschauen der Profile immer wieder einen bestimmten Typ Mann.

    Vielleicht ist sie nur gelegentlich online.

    Vielleicht verwendet der Mann, der durchaus zu ihr passen könnte, wiederum andere Suchkriterien.

    Und möglicherweise begegnen sich diese beiden Menschen deshalb auf der Plattform überhaupt nicht.

    Obwohl beide dort angemeldet sind.

    Das bedeutet:

    „Mir werden keine passenden Männer angezeigt“ ist nicht dasselbe wie „Es gibt keine passenden Männer.“

    Diesen Unterschied halte ich für enorm wichtig.

    Denn nach enttäuschenden Erfahrungen mit Online-Dating ziehen Menschen manchmal eine Schlussfolgerung über ihre gesamten Chancen auf eine Partnerschaft.

    Dabei haben sie möglicherweise lediglich erlebt, was ihnen eine bestimmte Plattform unter bestimmten Bedingungen gezeigt hat.

    Das ist zumindest eine Frage, die man sich stellen sollte.

    Wenn ein System aus Deinem bisherigen Verhalten lernt und Dir anschließend häufiger ähnliche Menschen zeigt, können bestehende Präferenzen verstärkt werden.

    Du wählst beispielsweise immer wieder Typ A.

    Das System erkennt dieses Muster.

    Du bekommst häufiger Menschen vorgeschlagen, die Typ A ähneln.

    Du reagierst wieder auf Typ A.

    Damit kann ein Kreislauf entstehen.

    Das ist bequem – aber Partnersuche ist manchmal gerade dort überraschend, wo ein Mensch nicht vollständig unserem bisherigen Suchmuster entspricht.

    Manchmal entdecken wir einen Menschen erst im wirklichen Leben, weil wir seine Stimme hören, seinen Humor erleben, seine Ausstrahlung spüren oder merken, wie aufmerksam er mit uns umgeht.

    All das lässt sich nur begrenzt aus einem Profil berechnen.

    Und genau hier liegt für mich die Grenze jedes Matchings.

    Ein Algorithmus kann Menschen auswählen und miteinander in Kontakt bringen.

    Aber er kann Dir die eigentliche Partnerwahl nicht abnehmen.

    Er kann nicht zuverlässig beantworten:

    Fühle ich mich bei diesem Menschen wohl und sicher?

    Ist er wirklich bereit für eine Beziehung?

    Passen seine Worte und sein Verhalten zusammen?

    Kann ich ihm vertrauen?

    Können wir miteinander reden – auch wenn es schwierig wird?

    Entsteht Nähe?

    Passen unsere Vorstellungen vom Leben zusammen?

    Kann ich mit diesem Menschen lachen?

    Und irgendwann vielleicht die wichtigste Frage:

    Möchte ich mit diesem Menschen tatsächlich meinen Alltag teilen?